ChatGPT achtsam nutzen? Ein Experiment und neun Tipps

 
 

Seitdem ChatGPT für die große Masse zugänglich geworden ist, gibt es fast keinen Experten, Blog, Dienstleister, App, Nachrichtendienst, Podcast oder Social-Media-Kanal, der sich mit Marketing oder Technologie befasst und nicht darüber berichtet hat.

Wie alles andere, was mit Technologie zu tun hat, so hat mich auch bei diesem Thema die Frage beschäftigt, ob und wie man sie achtsam nutzen kann – sodass sie uns im besten Fall das Leben erleichtert, uns nicht überfordert oder noch mehr Zeit oder Energie kostet und im schlimmsten Fall unsere mentale Gesundheit ihr nicht zum Opfer fällt.

Und bevor ich meine eigene, eher skeptische Meinung dazu äußere (surprise! 😄) – erst mal eine kurze Einführung für diejenigen, die nicht wissen, über was ich hier gerade erzähle:

ChatGPT ist ein vom Unternehmen OpenAI entwickeltes KI-basiertes Sprachmodell, das am 30. November 2022 gestartet wurde.

ChatGPT ist in der Lage, menschenähnlichen Text auf der Basis von Kontext, vorhandenen Inhalten im Internet und vergangenen Gesprächen zu generieren. Dafür nutzt es eben den Content, der schon im World Wide Web verfügbar ist – zurzeit bis einschließlich Januar 2022*.

Die Abkürzung GPT steht für Generative Pretrained Transformer, und die Anwendung ist einfach ausgedrückt, ein auf einem großen Sprachmodell basierender Chatbot (auf Englisch LLM: Large Language Model).

Dieser ermöglicht es seinen Benutzern, eine Konversation zu verfeinern und auf die gewünschte Länge, das gewünschte Format, den gewünschten Stil und das gewünschte Niveau der Details und der verwendeten Sprache auszurichten.

ChatGPT und andere ähnliche LLMs wie z.B. Jasper Chat, Google’s Bard AI, Bing AI, Bloom, DeepL Write u.a. können also Texte verfassen – von Überschriften für Werbung bis hin zu Social-Media-Beiträgen, Blogartikeln, sogar Büchern.

Und das können sie nur, wenn wir Menschen, also die Benutzer der Anwendung, ihnen die richtigen Informationen liefern und die entsprechenden, präzisen und klaren Fragen stellen – die sogenannten Prompts.

Übrigens: Das Wort „prompt“ stammt aus dem Englischen und ist ein IT-Begriff, der den Benutzer der Maschine, des Rechners, zur Eingabe von Daten auffordert.

Mit einem „Prompt“ instruierst also du die KI, etwas für dich zu tun. Einen Text zu schreiben, eine Kalkulation auszuführen, eine Website zu programmieren, ein Bild zu erstellen (Tools dafür sind zum Beispiel Midjourney, Adobe Firefly oder DALL.E 3, die auch OpenAI gehört – mit letzten beiden habe ich übrigens die Bilder dieses Beitrags generiert u. v. m.), einen Report oder Zusammenfassung aus Unmengen von Daten zu generieren usw.

 

Infolgedessen kann ein Text einer KI nur so gut sein wie die Fragen, die wir ihr stellen bzw. die Ausgangsposition, die wir ihr beschreiben.

Und natürlich sprießen schon längst die Prompts-Experten überall aus der Erde – also die First-Movers, welche als Erste die angebliche Chance ergreifen und mit dem Prompt-Engineering richtig viel Geld verdienen möchten.

Prompting als neue Kernkompetenz auf dem Arbeitsmarkt. Aber jedem das seine.

Außer Texte für dich zu verfassen bzw. diverse Inhalte zu erstellen, kann ChatGPT auch eine weitere Reihe von Aufgaben für dich erledigen.

Du kannst dir diese großen Sprachmodelle als dein zweites Digitalgehirn vorstellen – so wird es wenigstens überall vermittelt:

Die KI kann deine anstehende Asien-Reise durchplanen, dir bei der Auswahl des Restaurants für dein Date helfen, bei Zusammenfassungen von Inhalten oder Reports unterstützen, Websites erstellen, Studien und Daten analysieren, E-Mails automatisieren, den Kundenservice optimieren, Prozesse verkürzen, Excel- und Powerpoint-Makros für dich anlegen u.v.m.

Sobald du die ChatGPT Website öffnest, wird das auch klar, denn sobald du dich einloggst, bekommst du folgende Vorschläge:

Berichten zufolge soll die ChatGPT-Website inzwischen weltweit um die 1,5 Milliarden monatliche Besucher haben, wobei die Anzahl der aktiven User auf die 100 Millionen geschätzt wird.

Laut diesem Bitkom-Artikel haben rund 19 Prozent der Menschen in Deutschland ChatGPT bereits genutzt. Weitere 25 Prozent können sich das für die Zukunft vorstellen. Zugleich haben aber 21 Prozent noch nie von ChatGPT gehört. Du gehörst nun mit dem Lesen dieses Artikels offiziell nicht dazu. 😄

Zurzeit gibt es zwei Versionen der Anwendung, die 3.5 und die 4.0, welche auch die bezahlte Version von ChatGPT ist (die aktuellen Kosten liegen bei 20 $ im Monat). Ich persönlich habe für mein Experiment die kostenlose Version hergenommen, also die 3.5.

Unter anderem ist GPT-4 größer als GPT-3.5 bzw. enthält es mehr Parameter und verfügt über eine größere Rechenleistung, wodurch es komplexere Aufgaben und Sprachmuster bewältigen kann.

So weit so gut. Nun stellst du dir vielleicht die Frage, ob ich persönlich auch außerhalb des Experiments ChatGPT für die Erstellung von Texten nutze?

Nun, ich kann dir bestens Gewissens bestätigen, dass all meine Texte, die ich für diesen Blog, meinen Newsletter oder mein Buch bis jetzt geschrieben habe bzw. auch in Zukunft schreiben werde, Produkte meiner NI sind – meiner natürlichen Intelligenz (hoffe ich!) meines menschlichen Gehirns.

Im Zuge meiner menschlichen Neugierde und Experimentierfreude habe ich selbstverständlich ChatGPT schon längst mit dem Schreiben von Blogartikeln rund um die Thematik der digitalen Achtsamkeit herausgefordert, um zu sehen, was sich so eine KI über ein Thema, dass sie direkt betrifft, zu „sagen“ hat:

Herausgekommen sind – wie auch du es schon vielleicht in ähnlichen Versuchen feststellen konntest – eher kurze Artikel, die Allgemeinheiten beinhalten, die Oberfläche nur leicht ankratzen und somit nicht in die Tiefe gehen.

Oder wie wir solche Inhalte im Marketing gerne beschreiben: Vanilla.

Weil sie eben an den Geschmack der großen Masse angepasst und so von ihr akzeptiert und schnörkellos sind – ein bisschen blah.

Wie der Vanille-Geschmack, der Lebensmitteln hinzugefügt wird – man kann als Hersteller damit nichts falsch machen.  

Habe ich aber ChatGPT genutzt, um jemals einen Text zu schreiben, der mir von einem Kunden beauftragt wurde?

Ja, habe ich – aber genauso, wie ich parallel auch meine eigene, separate Recherche betrieben habe. Nämlich zu einem Thema, über das ich nicht viel wusste.

Hier hat mir ChatGPT außer meinen eigenen Gedanken und Google-Resultaten, die auf meine Suche zutrafen, geholfen, keinen (wichtigen) Aspekt des Themas zu vergessen, über das ich zu schreiben hatte.

Die KI lieferte mir also eine knackige Zusammenfassung der essenziellen Bausteine, damit mein eigener Text so umfassend und konkret wie möglich das Thema wiedergeben konnte, über das ich beauftragt wurde zu schreiben.

ChatGPT als virtuelle Assistenz, also als Recherche-Helferlein.

Zum Unterstützen meiner Arbeit, als Starthilfe bei trockenen Themen oder solchen, die für mich eben Neuland sind.

Aber auch diese Möglichkeit, ChatGPT zu nutzen, birgt meiner Meinung nach Gefahren, wenn wir unachtsam damit umgehen.

Und das nicht nur für mich, als Schreibende oder eben als Selbstständige, die ihr Brot und Butter hauptsächlich mit Texten verdient, in welcher Form auch immer.

Zu sehen im Bild ein mit ChatGPT erstelltes Bild des menschlichen Gehirns das voller Blumen ist

Sondern für uns alle, wenn wir die Denkaufgaben unseres wunderbar komplexen Gehirns aus Trägheit oder Leichtsinn an eine KI verlagern, es immer weniger nutzen und unsere Sinne abstumpfen lassen.

Denn unser Gehirn, diese biologische Wundermaschine, unsere Sinne, unsere Fantasie, unser menschliches Filter, geprägt durch persönliche Erfahrungen und unser individuelles Umfeld, sind die wertvollsten Tools, die es im schöpferischen Prozess gibt.

Mit ihnen nehmen wir die Welt wahr und drücken unsere innere Stimme aus.

Durch sie hauchen wir unseren Gedanken, unseren Ideen und Vorstellungen in Form von Worten, Bildern und anderen Formaten Leben ein und tragen sie nach außen.

Ohne sie wäre die Welt, wie wir sie in ihrer kulturellen Vielfältigkeit kennen, erst gar nicht entstanden.

Sie sind es, die unsere Arbeit von die des Nächsten differenzieren und dank ihnen werden wir dafür auch bezahlt.

Eine Kollegin kommentierte einmal in die Runde: „ChatGPT ist super, ich muss nicht mehr denken!

Wer, was und wo wären wir ohne Denken?

Wie kann es sein, dass der Mensch gerade alles zu unternehmen scheint, um sich selbst als Spezies auszulöschen?  

Aber zurück zum Schreiben.

Es ist eben genau das, was menschliche Worte so besonders macht: Es sind unsere.

Aus Fleisch und Blut. Aus Tränen und Lachen, geboren mit Anstrengung, Aufregung, Liebe und Leid. Quer durch das komplette Spektrum der menschlichen Emotionen. Und da kommt keine KI ran.

Und natürlich nutzen nicht alle Menschen das Schreiben so, wie ich es nutze, um anderen damit zu helfen, um etwas zu erklären, um (hoffentlich) eine Transformation in der Gesellschaft hervorzurufen oder große Gefühle auszudrücken – das weiß ich.

Für diejenigen, die diese großen Sprachmodelle in ihrer Selbstständigkeit oder im Unternehmen nutzen, um Produkte zu beschreiben oder Marketing-Inhalte zu verfassen – weil sie eben nur schwer zum Schreiben finden oder tatsächlich kein Talent haben und diese ihnen so das Leben viel leichter machen – ja, diejenigen profitieren immens von ChatGPT & Co.

Und ich möchte an dieser Stelle auch nicht den ethischen Diskurs oder die Diskussion über Arbeitsstellen eröffnen, die verloren gehen, oder Cyber-Verbrechen, die begangen werden können, wenn diese KI-Tools noch intensiver von immer mehr Menschen genutzt werden und irgendwann unseren Alltag dominieren.

Eine ganze Reihe von Blogbeiträgen würde nicht genügen, um darüber in einem gerechten Maß zu berichten. (Ich habe dazu aber für dich am Ende dieses Artikels weiter unten viele interessante Artikel verlinkt.)

Denn dieser Blogartikel ist dazu da, um dir zu helfen, falls du diese Tools nutzen möchtest, es eben achtsam, respektvoll und bewusst zu tun.

Ist aber eine achtsame Nutzung von ChatGPT & Co. denn überhaupt möglich?

Diese Frage stellte ich mir schon sehr lange und anfangs war meine eher trotzige Antwort „Nein! Auf gar keinen Fall!“.

Und dann dachte ich mir: Wieso frage ich denn nicht den direkt Betroffenen, also ChatGPT selbst?

Gesagt, getan.

Eines schönen Nachmittags setzte ich mich vor meinem Laptop hin, gerüstet mit frisch gebrühtem Kaffee, gutem Willen und Geduld (fake Lächeln auf den Lippen inklusive 😄), öffnete die ChatGPT Website und tippte los.

Erster Prompt:  Wie kann ich deine Dienste achtsam nutzen?

Insgesamt gab es 10 Punkte auf der Tipp-Liste, mit der mir ChatGPT antwortete.

Aber natürlich war ich damit nicht so ganz zufrieden. Ich wollte die Maschine ein bisschen aus der Defensive kitzeln.

Nächste Frage also: Wie wichtig ist dir, dass die Menschen achtsam mit dir umgehen?

Da hatten wir es also – offiziell und schwarz auf weiß:

Es ist also die Verantwortung der Nutzer, achtsam und verantwortungsbewusst mit KI-Diensten umzugehen, um sicherzustellen, dass diese Technologie im besten Interesse der Gesellschaft eingesetzt wird.“

Erinnert dich das an etwas?

Yep – genau das gleiche Argument, das Social Media Konzerne von sich geben, um sich der Verantwortung gegenüber den gesellschaftlichen und sozialpolitischen Aus- und Nebenwirkungen ihrer Dienste zu entziehen.

Nicht, dass ich etwas anderes erwartet hätte.

Und so setzte ich zu der aus meiner Sicht sehr logischen dritten Frage an:

Ist es aber nicht essenziell, dass die, die dich geschaffen haben, Voraussetzungen in deiner Programmierung mit einbeziehen, die eine achtsame Nutzung von Haus aus gewährleistet?

 

Und noch mal der letzte Absatz für dich aka ChatGPT als Schweiz:

„Letztendlich liegt die Verantwortung sowohl bei den Entwicklern als auch bei den Nutzern. Die Entwickler sollten KI-Systeme achtsam gestalten, und die Nutzer sollten KI-Dienste mit Verantwortung und Achtsamkeit nutzen, um sicherzustellen, dass sie positiv und ethisch eingesetzt werden.“

Schön vorsichtig und sehr diplomatisch formuliert mit überlegtem Modalverben-Einsatz.

Tja, eine andere Antwort der KI wäre mir ehrlicherweise auch ein bisschen sonderbar vorgekommen.

Aber zurück zu uns Menschen. Zurück zu meiner NI.

Wie kann jetzt tatsächlich ein realistischer, smarter, ethischer und achtsamer Gebrauch von KI-Tools wie ChatGPT aussehen?

Folgende neun Punkte und Impulse habe ich für dich mitgebracht – nach langem Experimentieren, komplexem Philosophieren und regem Austausch mit Menschen aus der Digitalbranche, anderen Selbstständigen und nicht nur.

Viele von ihnen könnten genauso gut auch auf die achtsame Nutzung von Social Media übertragen werden, was das Ganze für mich und wahrscheinlich auch für dich noch interessanter macht:

  1. Privatsphäre und Datenschutz

  2. Kommunikation mit der KI

  3. Achtsame Sprache

  4. Informationen und Quellen

  5. Feedback

  6. Selbstreflexion

  7. Ziele und Intention

  8. Innere Weisheit > KI

  9. Herz vs. KI - 1:0

1. Privatsphäre und Datenschutz

Das Selbstverständlichste gleich am Anfang: Gebe der KI keine Informationen oder Daten über dich oder andere Personen preis, die du auch nicht öffentlich ins Internet stellen würdest.

Das gilt besonders auch für Kundendaten, die nur für interne Zwecke genutzt werden sollen – egal wie verführerisch es auch sein mag, wenn ChatGPT eine Minute für die Auswertung eines Reports braucht und du eine halbe Stunde.

Fakt ist, dass wir nicht mit hundertprozentiger Sicherheit wissen können, wo die Daten landen und für was sie genutzt werden könnten. Mehr darüber kannst du hier nachlesen.

Am besten meldest du dich auf der Plattform mit einer eigens dafür erstellten E-Mail-Adresse an – denn wie wir inzwischen schon so oft im digitalen Zeitalter feststellen konnten: Sicher ist, dass nichts sicher ist.

2. Kommunikation mit der KI

Damit meine ich nicht das Prompten – sondern wie du überhaupt die KI anredest.

Denn Worte generieren Gedanken, Gedanken provozieren Gefühle und diese steuern unser Verhalten …

Also sei dir bewusst, wie du mit ChatGPT sprichst:

Es ist eine Maschine, ein Tool. Und dafür solltest du den Genitiv wählen: Es.

Nicht er, nicht sie, nicht Schätzchen, nicht Kollege und schon gar nicht Chef. Es.

(Und falls dir jetzt kalte Schauer über den Rücken laufen, weil du dabei an Stephen Kings Meisterwerk denken musst: Gut so. 😄)

Du musst ein Tool auch nicht begrüßen oder dich bedanken, denn das ist seine Arbeit: Dich zu unterstützen. Du lächelst auch nicht deinen Bildschirm an und trällerst verzückt „Guten Morgen!“, jedes Mal, wenn du Canva oder deinen E-Mail-Posteingang öffnest, oder? Eben.

Und wer sich jetzt denkt, hmmm ok, aber es ist doch nicht verkehrt, nett zur Maschine zu sein, falls sich in naher Zukunft das Terminator-Szenario bewahrheitet und wir ihnen als Sklaven unterworfen werden: Dem kann ich nur gratulieren und empfehlen, diese blühende Fantasie gerne in die eigenen Texte zu stecken – denn anscheinend wird hier die Hilfe von ChatGPT erst gar nicht benötigt.

 

3. Achtsame Sprache

Mein kleines, oft blutendes Autorenherz kann es nicht oft genug sagen - bitte, bitte, bitte:

Formuliere ganze Sätze, schreibe respektvoll, achte auf die Rechtschreibung, vermeide diskriminierende, rassistische Aussagen und Schimpfwörter, nutze den wunderschönen und reichen Wortschatz der deutschen Sprache – denn die Maschine lernt von uns.

Wenn wir fahrlässig im Umgang der Sprache sind, dann füttern wir das „Biest“ mit Junk Food und können über lang oder kurz auch entsprechenden Output erwarten.

Lerne zu prompten, denn es wird dir auch beim eigenen Schreiben helfen:

Sei präzise, klar, konkret.

Wenn es ein komplizierter Sachverhalt ist:

Beschreibe der KI den Ist-Status, damit sie die Frage bzw. Aufgabe, die du ihr stellen wirst, so gut wie möglich beantworten bzw. erledigen kann.

4. Informationen und Quellen

„Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“ Eins meiner Lieblingszitate.

Egal welche Informationen dir ChatGPT ausspuckt, überprüfe sie quer, bevor du sie für irgendetwas verwendest, vor allem, wenn es um Zahlen, Daten und Quellen geht – denn das Letzte, was wir als Gesellschaft brauchen, sind noch mehr Fake News.

Kennst du den Mythos von der menschlichen Aufmerksamkeitsspanne, die angeblich kürzer als die des Goldfisches sein soll – 8 Sekunden beim Menschen, 9 beim Goldfisch?

Obwohl es sich in der heutigen Reizüberflutung für die meisten von uns so anfühlen mag, gibt es tatsächlich keine Studie, die den direkten Vergleich zwischen Homo sapiens und den niedlichen Teichgeschöpfen wissenschaftlich untersucht, geschweige denn bewiesen hat.

Alles nur eine Multiplizierung einer Studie von Microsoft aus dem Jahre 2015, in der es um Marketingstrategien in Bezug auf die Aufmerksamkeit der Menschen geht – aber eben mit einem komplett anderen Fokus.

ZU sehen im Bild ein von Adobe Firefly generiertes Bild mit pastelfarbenen Origamivögeln

Extra-Tipp: Sei dir deines eigenen Bias bewusst, wenn du ein Prompt formulierst.

Denn du selbst kannst durch deine Voreingenommenheit, was nichts anderes als eine kognitive Verzerrung ist, die in allen von uns passiert, wenn wir Informationen verarbeiten, die KI in eine bestimmte Richtung arbeiten lassen, die von deinem Urteil und persönlicher Wertung sehr geprägt sein kann.

Versuche also mehr als ein Prompt zu formulieren, um diverse Perspektiven und Lösungen auf deine Anfrage zu erhalten.

Und zu guter Letzt: Dass du die Texte, welche ChatGPT für dich geschrieben hat, nicht eins zu eins verwenden solltest, müsste dir als engagierter Leser dieses Blogs und speziell auch dieses Artikels klar sein.

Trotzdem möchte ich es hier nicht unerwähnt lassen:

Falls du in die Versuchung kommen solltest, dann überprüfe den Text nicht nur auf inhaltliche, aber auch auf Rechtschreib- und Ausdrucksfehler und schreibe ihn um bzw. passe ihn an deinen Stil und die Zielgruppe an.

Und falls du dich fragen solltest: Google und andere Suchmaschinen bestrafen angeblich Texte, die von einer KI geschrieben wurden, ganz besonders SEO-Texte – sicher weiß das aber niemand. Ich denke, dass in Zukunft die Suchmaschinen gerüstet sein werden, um solche Texte gleich zu erkennen, aber ob das schon jetzt der Fall ist, wage ich zu bezweifeln.

5. Feedback

Hier gilt das gleiche wie für die Social Media Plattformen, wenn dir in deinem Feed Beiträge angezeigt werden, die ethisch problematisch oder komplett Fake News sind:

Wenn du Probleme oder Bedenken bezüglich der Antworten hast, die dir die KI gibt, melde dich direkt bei den Entwicklern, damit das in Zukunft vermeidet oder eben verbessert werden kann.

6. Selbstreflexion

Dieser Punkt kann definitiv eins zu eins auf die achtsame Social Media Nutzung übertragen werden.

Die Nebenwirkungen und Beschwerden, die bei der unkontrollierten Nutzung von Instagram, TikTok & Co. am häufigsten auftreten und die mir in meinen Coaching-Sessions, aber auch im Rahmen meiner Recherche für mein Buch immer wieder begegneten sind: FOMO (Fear Of Missing Out) und Vergleicheritis.

Und diese können sich auch auf KI-Tools beziehen.

Also die Angst, etwas zu verpassen und der toxische Vergleich mit anderen Personen auf der Plattform.

Wie geht es dir, wenn du KI-Tools nutzt? Was empfindest du dabei?

Hast du bei dir die Empfindungen von FOMO und Vergleicheritis spüren können?

Nutzt du ChatGPT nur, weil es „alle tun“ oder weil überall erzählt wird, „wer es nicht tut, bleibt professionell und auch wirtschaftlich zurück“?

Also vielleicht aus den gleichen Gründen, warum du Social Media nutzt?

Weil es alle und ihre Katze tun? Weil es „nun mal dazugehört“?

Weil du sonst das Gefühl hast, etwas zu verpassen? Nicht mit der Zeit zu gehen? Steckenzubleiben?

Und löst das Ganze in dir Stress aus, den Druck zu performen, mithalten zu müssen?

Vielleicht vergleichst du dich mit anderen, die angeblich schon Experten sind, ChatGPT & Co. für gefühlt alles nutzen und ihr Leben damit vermeintlich immens erleichtert haben?

Und genauso wie im Falle von Social Media gilt: Sobald du darüber bewusst reflektierst und feststellst, wie es dir damit geht, hast du schon den ersten wichtigen Schritt gemacht, um einer gesunden Nutzung näher zu kommen. Einer, die dich unterstützt und guttut.

Komm also zurück zu dir – konzentriere dich auf deine Bedürfnisse, deine Empfindungen, deine Ziele und Stärken.

Lege den Fokus auf deine einzigartige Persönlichkeit und deinen individuellen Weg im Leben und in deiner Arbeit.

Die folgenden letzten drei Punkte beinhalten Impulsfragen und Perspektiven, welche dir dabei helfen können, bewusster, authentischer und achtsamer mit der neuen Technologie umzugehen, wenn du sie in deinen Alltag integrieren möchtest.

7. Ziele und Intention

Hier darfst du für dich folgende Fragen beantworten und darüber reflektieren (gerne schriftlich und noch besser, mit Stift und Papier), bevor du ein KI-Tool privat oder beruflich einsetzt:

  • Was darf die KI für dich erledigen?

  • Wie weit möchtest du, dass eine KI über dein Leben Bescheid weiß?

  • Welche Aufgaben kannst du bedenkenlos an die KI delegieren?

  • Welche Entscheidungen darf die KI für dich übernehmen und bei welchen hast du das letzte Wort?

  • Mit welchen Aufgaben darf dein menschlicher Geist sich selbst befassen – technologiefrei?

  • Inwieweit darf eine KI in deine Kreativität eingreifen?

  • Welche kreativen Prozesse führst du komplett analog durch?

  • Was kannst du tun, damit deine Kreativität nicht abstumpft?

  • Wie kannst du deine menschlichen Sinne schärfen, damit dein Geist und deine Wahrnehmung achtsam bleiben?

 

Und die wohl wichtigste Frage:

Warum möchtest du ChatGPT u.ä. Tools nutzen? „Brauchst“ du diese Form von KI-Assistenz?

Wenn ich diese Frage an Führungskräfte oder Entscheidungsträger in Unternehmen stelle, lautet die häufigste Antwort: Um Zeit zu sparen.

Wenn ich dann weiterbohre und wiederum frage, was sie mit der zurückgewonnenen Zeit oder Energie anstellen, blicke ich meistens in ausdruckslose Gesichter.

Nach einer kleinen Denkpause heißt es dann: Wir treiben das Business weiter voran und optimieren Prozesse.

In den meisten Fällen dienen die KI-Tools also letzten Endes nicht dem allgemeinen Wohlbefinden der Mitarbeitenden oder der Verbesserung ihrer Work-Life-Balance, sondern dem Gewinn des Unternehmens. Des Höher, Schneller, Weiter, Mehr.

Die neue freie Zeit wird nicht in die Care-Arbeit für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige investiert, nicht in den Einsatz für ein Ehrenamt oder die Gemeinschaft und schon gar nicht wird sie dafür genutzt, damit sich die Angestellten ganz einfach erholen und sich einer kürzeren Arbeitszeit erfreuen können.

Wenn wir die sagenhaften Möglichkeiten und vermeintlichen Erleichterungen von ChatGPT & Co. nicht nutzen, um uns damit ein erfüllteres Leben zu bescheren, sondern wenn wir durch ihre Nutzung anfangen, noch schnellere Runden im Hamsterrad zu drehen, dann geht der ganze KI-Zirkus in die falsche Richtung.

Denn letzten Endes geht es darum, wie wir unser Leben und unsere Gesellschaft gestalten wollen.

Ob wir Technologie nutzen möchten, um mehr Mensch sein zu können.

Auf einem Planeten, der wegen unserem jahrzehntelangen „Höher, weiter, schneller“-Wahn und dem Wachstum als einzig kritischen Wirtschaftsfaktor - genau wegen diesem „mehr“ -  an seine Grenzen gestoßen ist.

Es geht nicht „mehr“.

Vielleicht versuchen wir es doch mal mit „genug“?

8. Innere Weisheit > KI

Wie wäre es denn, wenn du wieder, statt eine Maschine zu fragen, dich auf deine Intuition, deine innere Stimme und Weisheit verlassen würdest? Also Dinge, von denen eine künstliche Intelligenz so wenig Ahnung hat wie Elon Musk von Social Media.

Wie wäre es, wenn du wieder mehr deinen eigenen Talenten, Stärken, Fähigkeiten und Kompetenzen statt der Super-Software eines Tech-Unternehmens aus Delaware, USA vertrauen würdest?

Wie würde es ich anfühlen, wieder deine innere Karte zu erkunden? Die dich über all die Jahre genau an den Punkt geführt hat, wo du dich gerade befindest?

Mit all den Wachstumsschmerzen, Probefahrten, Trials, Errors, Erfolgen, Freuden und Genüssen, die das Leben so ausschüttet?

Was würde passieren, wenn du frei von Vorgaben, Empfehlungen, Normen, Grenzen, Einschränkungen, Prompts, genauso schreiben, kreieren oder entscheiden würdest, wie es dir richtig und wichtig erscheint?

Freiheit kann Angst machen. Besonders im Business und im Marketing. Wir wissen nicht, wo wir anfangen sollen.

Sie verwirrt uns, macht uns unsicher.

Wir brauchen einen Rahmen, wir brauchen die Bestätigung, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

Genau deshalb nutzen viele von uns auch nach wie vor Social Media, weil viele vor uns damit anscheinend erfolgreich waren und sind.

Weil der andere, der unabhängigere, der individuelle Weg, „the road less travelled“, unbekannt ist.

Vielleicht aber ist er genauso erfolgreich, wenn nicht noch mehr und wahrscheinlich stimmiger mit unseren Werten. (Übrigens: Mehr darüber kannst du in meinem Buch erfahren.)

Lass uns also nicht die gleichen Fehler machen wie mit Social Media – besonders die Selbstständigen und Unternehmenden unter uns.

Lass uns nicht von KI-Tools blenden und uns der vielen geistreichen Möglichkeiten berauben, die uns nach wie vor als Schaffende im Leben, im Business und unserem Marketing dank unserer wunderbar komplexen menschlichen Natur zur Verfügung stehen.

9. Herz vs. KI? 1:0

An dem letzten Punkt angekommen wird dir hoffentlich klar, dass wir mit unserer humanen Natur nur gewinnen können.

Kann ChatGPT schneller Texte schreiben als du? Ja.

Kann ChatGPT schreiben wie du? Nein.

Viele würden hier schreiben „noch nicht“, aber meiner Meinung nach kann das nur schwer passieren, weil die individuelle menschliche Natur und somit auch ihr Ausdruck unvorhersehbar sind.

Aber vielleicht wird ChatGPT und andere KI-Sprachmodelle tatsächlich irgendwann mal in der Lage sein, deinen Schreibstil grob nachzumachen, ok.

Wahrscheinlich wirst du ChatGPT in Zukunft intensiver nutzen, als dir lieb ist oder du dir jetzt eingestehen möchtest - auch ok.

Aber was diese Art von KI nie schaffen wird:

  • Binnen Sekunden die komplette emotionale Klaviatur rauf und runterzuspielen, wie wir Menschen sie so oft in unseren Beziehungen erleben.

  • Und dabei eloquent zu bleiben – oder gar Witze zu reißen.

  • Etwas gleichzeitig zu hassen und zu lieben.

  • Feine Nuancen von Sarkasmus zu erkennen.

  • Überwältigt und den Tränen nahe vor einem Monet-Gemälde zu stehen.

  • Intuitiv zu spüren, dass etwas gerade bei einer anderen, lieben Person nicht stimmt – auch wenn diese gerade Kilometer entfernt ist oder eine völlig andere Sprache spricht.

  • Die risikoreichste Entscheidung zu treffen, allen Widrigkeiten und Voraussagen zum Trotz – weil das Herz dazwischenfunkt.

ChatGPT könnten wir als „neuronales Netzwerk“ beschreiben, fast so wie das menschliche Gehirn. Und es kann viele unserer kognitiven Aufgaben nachahmen, weil es in der Lage ist zu lernen, also basierend auf den vorliegenden Daten einzuschätzen und vorauszusehen.

Aber unser Herz?

Das bleib einzig und allein Menschensache und meistens ein Mysterium – ein Leben lang.

Und seine Geschichten kann keine KI so leicht nacherzählen. 🤍

 

 

Was sind deine Erfahrungen bis jetzt mit ChatGPT oder ähnlichen KI-Software-Programmen?

Wo nutzt du die Tools und wo setzt du Grenzen?

Lass uns gerne darüber sprechen – schreib mir jederzeit, ich freue mich auf dein Input.

 

 

 *Update 03.10.2023: Erst nachdem ich den Artikel geschrieben und diese Folge aufgenommen hatte, hat OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT angekündigt, dass das Tool nun direkt auf alle Inhalte im Internet zugreifen kann.

 Links

 

Aikaterini Pegka

🧬 Biologist
🧘🏻‍♀️ Breath Coach & Meditation teacher
✨ Happy & mindful in a digital cosmos
🙏🏻 Holistic coaching for a healthy mind, body & business

https://www.rinipegka.com/
Zurück
Zurück

SEO ohne Datenkraken: Laura Filz im Interview

Weiter
Weiter

Social Media Detox: Unangenehme Nebenwirkungen und wie du sie meisterst