Abstrakte Kunst verstehen
Abstrakte Kunst polarisiert. Die einen fühlen sich sofort berührt, die anderen stehen fragend vor den Werken und sagen: „Ich verstehe das nicht.“ Doch vielleicht geht es gar nicht ums Verstehen.
In dieser Podcast-Folge nehme ich dich mit in meine Welt der abstrakten Kunst, zeige dir meinen Prozess, meine Zweifel und die Tiefe, die sich eröffnet, wenn wir lernen, hinzusehen, zu fühlen und zu verweilen. Ich erzähle dir, warum ich keine „schönen Bilder“ male, sondern innere Landschaften sichtbar machen möchte. Warum Leere für mich genauso wichtig ist wie Farbe. Du erfährst außerdem, warum ich Serien konzipiere – wie beispielsweise “110 Tage Winter” oder meine neue Arbeit “Still Matters” – und warum abstrakte Kunst für mich ein Dialog ist: zwischen Werk, Betrachter:in und dem, was uns im Innersten bewegt.
Du erfährst außerdem:
wie du dir selbst einen Zugang zu abstrakter Kunst eröffnen kannst,
Warum sich Struktur und Freiheit nicht ausschließen.
Weshalb es sich lohnt, vor einem Werk länger zu verweilen
und wie sich abstrakte Kunst als Spiegel deiner eigenen Empfindungen zeigen kann.
Vielleicht verstehst du am Ende dieser Folge nicht „mehr“, aber du erlebst Kunst anders. Und genau darum geht es.
Transkript
*Dieses Transkript wurde automatisch mit Hilfe von KI durch das Tool Happy Scribe erstellt. Der Text wurde nicht manuell korrigiert und kann daher Fehler enthalten. Für die Richtigkeit wird keine Haftung übernommen.
Hallo und herzlich willkommen im ausgesprochen Achtsam-und Kreativ-Podcast. Schön, dass du hier bist. Mein Name ist Rini Pegka. In diesem Podcast geht es Kreativität. Es geht Achtsamkeit, digitale Achtsamkeit, selbstbestimmtes Leben. Und natürlich geht es auch Kunst, abstrakte Kunst, wie du es dem Titel heute entnehmen konntest. Ich bin seit Anfang des Jahres als freischaffende Künstlerin unterwegs, hatte schon meine erste Ausstellung hinter mir, die Art Muck. Darüber habe ich auch eine Podcast-Folge aufgenommen, bereite mich gerade vor auf die nächste ARTMUC-Kunstmesse in München eben im Oktober. Und deswegen sind auch die Podcast-Folgen nicht so regelmäßig gekommen in letzter Zeit wie sonst. Ich habe so ein bis zwei Podcast-Folgen im Monat zurzeit schaffen können, weil viel im Hintergrund passiert. Viel in der Vorbereitung für diese neue Messe, aber auch viel, was das Schreiben angeht, was Bücher angeht, passiert auch ganz viel und nebenbei natürlich auch habe ich Kunden, für die ich Texte schreibe. Also es passiert ziemlich viel gerade bei mir und ich bin froh, dass der Juli bald zu Ende ist, weil im August habe ich Urlaub, den ich malend verbringen werde hier in München und im September geht es dann Richtung Sonne. Wir haben ja auch Sonne hier, also Richtung Süden, besser gesagt.
Ich fliege nach Griechenland und da mache ich wirklich zwei Wochen Urlaub und da freue ich mich drauf, also wirklich ohne nichts zu machen, einfach entspannen. Aber Kunst zu erschaffen ist für mich eben nicht nur ein Hobby. Also es gibt Tage, an denen ich experimentiere und herumkritzele mit meinen Materialien, neue Materialien ausprobiere, Kombinationen ausprobiere oder einfach so im Atelier stehe und einfach mit den Texturen und mit den Farben spielen möchte, dann mache ich es aus Spielerei und lerne natürlich auch dann für die Werke, die ich erschaffe, viel dazu. Von dem her ist eben das Malen für mich quasi ein Teil meines Berufs. Und Kunst zu erschaffen ist die eine Sache, die wir Künstler als Aufgabe, sage ich mal, haben und als Berufung, wenn man es so ausdrücken möchte, haben. Und auf der anderen Seite gibt es natürlich auch das Thema abstrakte Kunst verstehen. Und natürlich kann ich jetzt nicht jedem ganz genau zu verstehen geben, was abstrakte Kunst ist oder was es bedeutet. Denn Das ist letzten Endes dem Betrachter und der Betrachterin selbst überlassen, was in ihr oder in ihm passiert, wenn ein Werk betrachtet wird. Aber ich kann von meinem Standpunkt aus ein bisschen etwas dazu beitragen, dass wenn du bis heute abstrakte Kunst nicht verstanden hast und nicht verstehen konntest, vielleicht sich ein Fenster oder mehrere öffnen heute und du sagst: „So habe ich mir das eigentlich noch nie überlegt, Vielleicht gebe ich der abstrakten Kunst noch eine Chance.
Ich male eben abstrakt, ich male nicht realistisch. Ich könnte realistisch malen, aber das interessiert mich nicht, es ganz einfach zu formulieren. Ich finde realistische Malerei aber toll. Ich habe zu Hause auch viele realistische Werke von anderen Künstlern hängen, aber ich selbst male es nicht, weil es mich nicht interessiert. Und ich habe auf der ARTMUC auch ganz tolle Künstler: innen gesehen, die realistisch malen und die wirklich auch mit diesem realistischen Mal noch viel Emotion transportiert haben und eine ganz, ganz bestimmte Atmosphäre und Folgen von dem ergibt es da auch viel zu entdecken. Aber abstrakte Kunst ist eben oft ein Phänomen an sich, das für viele sehr verschlossen bleibt und unverständlich ist. Und da möchte ich heute mit der heutigen Folge „Abstrakte Kunst verstehen helfen. Wenn ich mit anderen Freunden, Freundinnen vor einem abstrakten Kunstwerk stehe in einem Museum oder auch wenn man meine Kunst betrachtet, viele meiner Bekannten, die eben abstrakte Kunst nichts anfangen können, höre ich oft den Satz: „Ich verstehe das nicht. Was will mir der Künstler damit sagen? Abstrakte Kunst ist eben für viele Menschen schwierig zu verstehen sehen, weil sie nichts darstellt, was wir im Alltag oder vom Alltag kennen oder eben erkennen.
Wir sehen keine Landschaft, kein Gesicht, keine Obstschale, charakteristisch eben. Wir sehen stattdessen Flächen, Linien, Farbenstrukturen, Kleckse, manchmal auch viel Leere, manchmal auch ein paar Wörter, die jemand draufschreibt auf so einer Leinwand, vielleicht eine Zahl, eine Zeile als Impuls, was ich auch gerne mache, vielleicht auch irgendein Rätsel, etwas Rätselhaftes, was niemand entschlüsseln kann und vielleicht auch alles zusammen. Heute möchte ich dir vielleicht einen Zugang zur abstrakten Kunst eröffnen, der eben nicht auf Erklärungen oder Techniken, sondern auf Verbindung setzt. Ich würde dir gerne zu verstehen geben, warum es nicht immer ein Verstehen braucht, was Struktur, aber auch mit Freiheit zu tun hat in der abstrakten Kunst und warum der leere Raum in einem abstrakten Kunstwerk genauso viel sagt wie die Farbe selbst. Was ist eigentlich abstrakte Kunst? Bei der abstrakten Kunst wird bewusst auf eine gegenständliche oder realistische Darstellung verzichtet. Wie schon erwähnt, anstelle von Motiven werden Form, Farbe, Textur, Rhythmus verwendet, Sachen auszudrücken. Abstrakte Kunst lässt das Abbild weg und eröffnet somit den Raum für etwas anderes, etwas Feines: Gefühle, Emotionen, Gedanken. Ein Raum für Wahrnehmung und auch Interpretation. Abstrakt ist aber nicht gleich beliebig. Viele abstrakte Kunstwerke folgen einer eigenen inneren Logik. Das kann ein Farbschema sein, ein Konzept sein oder auch eine bestimmte Komposition sein, die genauso durchdacht sind wie in der gegenständlichen Malerei, nur ohne erkennbare Figuren oder Gegenstände.
Das kannst du vielleicht auch an meinen Kunstwerken sehen. Bei der Serie des Winterprojekts, 110 Tage Winter, siehst du zum Beispiel, dass die Farben ein Schema bilden. Ich habe am Anfang des Winters dunkle, blaue Farben verwendet, weiß, Farben, die auf die mit dem Eis zu tun haben, mit dieser eisigen Atmosphäre, die mir da herrscht. Und dann, je mehr wir in den Frühling übergegangen sind, wurden die Farben weicher, erdiger und am Ende gab es sogar rosa und ein bisschen gelb, weil der Frühling da war. Das war auch ein Konzept dieser Serie. Und natürlich ging es bei mir auch sehr viel Wörter, weil bei mir geht es eigentlich immer bei der Kunst um die Verbindung zwischen Wörtern und Bildern. Aber das war jetzt nur so ein Beispiel, was das Farbschema angeht. Ich bin keine Künstlerin, die sagt: „So, jetzt mache ich eine Serie mit Rot und Rosa. Das bin ich, aber das werde ich in einer anderen Folge erklären, wie ich an meine Kunst reingehe, konkret, wenn ich eine Serie plane. Ich plane Serien, ich plane gerade zwei Serien und da ist die Recherche bei mir und das Eintauchen in das Thema Wenn man das dauert fast doppelt so lang wie das Malen an sich.
Das ist ein ganz, ganz langer Prozess, den ich mich unterziehe, bis ich so weit bin und im Atelier stehe und dann anfange zu malen. Und auch der Prozess des Malens kann man bei mir sehr lange dauern. Das ist auch so ein Konzept, mit dem ich arbeite. Ich lasse sehr, sehr viel Stille zu, sehr viel Raum zu, sehr viel Reflexion zu, bis ich eben auch an der Leinwand stehe. Und dann können Werke entstehen, die entweder innerhalb eines Tages tatsächlich fertig sind oder auch Werke, die wirklich Tage und Wochen brauchen. Das ist unterschiedlich, aber diese Vorarbeit ist immer gegeben und die dauert bei mir immer sehr lang, dieses Eintauchen. Wir reden heute darum, abstrakte Kunst zu verstehen. Warum ist es denn überhaupt wichtig, Kunst zu verstehen? Wieso wollen wir Kunst verstehen? Die ganze Welt, also alles, was uns umgibt, ist auf Verstehen gepolt. Unser Gehirn ist biologisch so programmiert. Also unser Gehirn sucht ständig nach Mustern, nach Erläuterungen, nach Orientierung. Es kann gar nicht anders. Und ein Kunstwerk, das sich eben dem entzieht, verunsichert uns zunächst. Also es fordert uns heraus, es neu zu erkennen, zu interpretieren und auch selbst eine Position dazu zu beziehen. Also nicht: „Was soll das jetzt sein?
Sondern: Was sehe ich? Was fühle ich? Was passiert mit mir? Gefällt es mir? Und wieso gefällt es mir, obwohl mir eigentlich zum Beispiel nie abstrakte Kunstwerke gefallen? Oder warum gefällt es mir nicht? „wieso sage ich gerade: Nein, das gefällt mir nicht. Was passiert gerade? Abstrakte Kunst lädt uns also ein, besser gesagt, hinzuhören, ganz genau hinzuhören, hinzusehen, hinzufühlen. Das ist ungewohnt gewohnt, aber auch deswegen finde ich es sehr befreiend, denn die erste Reaktion auf ein Kunstwerk und besonders auf ein abstraktes Bild ist selten rational. Also sie ist körperlich. Du schaust ein abstraktes Kunstwerk an und dann denkst du dir: „Hups, oder „Oh, oder „Wow, oder „Hm, okay. Oft gibt es vielleicht auch ein Unbehagen, wenn man ein abstraktes Kunstwerk anschaut, ein tiefes Einatmen manchmal oder sogar auch manchmal Tränen, weil man irgendwas gespürt hat, ganz im Inneren. Man kann es sich nicht erklären, aber es berührt einen. Eben, wir können nicht benennen, was wir fühlen, wenn wir ein abstraktes Kunstwerk betrachten. Das passiert auch. Es regt sich aber eben etwas in uns etwas in uns antwortet. Gerade eben weil abstrakte Kunst nichts vorgibt, kann sie viel mehr spiegeln als ein realistisches Kunstwerk. Für mich ist abstrakte Kunst ein Dialog mit dem Betrachter.
Deswegen liebe ich das so sehr, weil es ist ein offener Raum, der betreten wird. So sehe ich das, wenn ich meine abstrakte Kunst zeige, dass jemand hingeht. Und ich habe das auch auf der Art Muck gesehen im Mai, die Reaktionen, die Gespräche, die ich hatte. Denn jeder der Betrachter Jeder Besucher, jede Besucherin bringt die eigene Geschichte mit, die eigene Stimmung, die Erwartungen, die Glaubenssätze. Und diese Resonanz, die dann erfolgt oder auch eben nicht, ist der eigentliche Dialog mit der Kunst. Ja, viele abstrakte Werke folgen auch tatsächlich klaren Strukturen, wenn man sie wirklich studieren möchte, wenn man sie wirklich mit Vorsicht und achtsam beobachten möchte. Linien führen das Auge, Farbfelder erzeugen Gewichtung, das nennt man dann eine gelungene Komposition, Schichten erzeugen Tiefe und der vermeintliche Zufall, was viele als Zufall sehen auf einem abstrakten Kunstwerk, ist tatsächlich oft das Ergebnis eines sehr fein justierten Prozesses. Wie schon erwähnt, ich selbst arbeite oft mit Konzepten. Ich arbeite tatsächlich, wenn ich Werke erschaffen möchte, immer in Serien oder Zyklen, wie eben bei meiner ersten, beim Winterprojekt. Und auch, wenn ich immer natürlich intuitiv beginne, gibt es ein Thema. Es gibt einen Rahmen, auch einen inneren Rahmen, eine wiederkehrende Farbpalette, wie schon erwähnt, ein Spannungsfeld aus Leere und Dichte.
Also zuerst ist die Leinwand da oder das Papier da und dann kommen wir und machen etwas damit und verändern die Situation dieses Papiers oder dieses Stoffes. Und von dem her, finde ich, Struktur zu haben, wenn man an ein abstraktes Kunstwerk rangeht, schließt eben Freiheit nicht aus, ganz im Gegenteil. Die Struktur gibt mir Halt, damit das Unbekannte entstehen kann und damit dann die Besucher: innen damit resonieren können. Ich hatte auch Gespräche mit vielen Künstler: innen auf der Art Mock. Sie haben mir ein Kompliment ausgesprochen, dass ich mich traue, Leinwand auch unbemalt zu lassen. Sie haben mir gesagt, Sie können nicht anders als die gesamte Leinwand ausmalen. Und bei mir passiert eben das Gegenteil. Ich spüre, dass die Art und Weise, wie ich Kunst erschaffen möchte, dass meine Kunst eben Raum braucht, Luft zum Atmen. Und ganz besonders, wenn ich auf Leinwand male. Ich habe es noch nie gemacht. Ich habe noch nie eine komplette Leinwand zugemalt. Auch nur der Gedanke daran ist für mich unangenehm, dass ich die komplette Leinwand zumale. Ich habe es noch nie gemacht tatsächlich. Es gibt immer Freiräume bei mir, manchmal mehr, manchmal weniger. Du wirst also immer diesen leeren Raum, man nennt das negativen Raum sehen, also eben Quadratzentimeter, die roh sind, rohe Leinwand und keine Farbe tragen, dafür aber eine Geschichte erzählen.
Denn für mich gehört der negative Raum zum Bild dazu. Und in meiner Kunst ist es so, dass ich auch die Leinwand nicht grundiere. Also sehr selten grundiere ich Leinwand. Du siehst also den Stoff. Ich spanne auch meine Leinwände selbst. Ich benutze bis jetzt Baumwolle dafür. Ich habe noch kein Lining genutzt. Bis jetzt habe ich nur Baumwolle für meine Leinwände benutzt und ich spann mir also den Stoff selbst über die Rahmen. Wenn ich mal grundiere, dann mit einer Schicht klarem Gesso, also klarer Grundierung, aber nicht mit diesem weißen, pastösen Gesso. Ich könnte nicht auf solchen Leinwänden malen. Keine Ahnung. Ich weiß auch nicht. Ich kann es wirklich nicht in Worte fassen. Ich brauche den Stoff. Ich brauche dieses Natürliche, auf dem ich dann meine Technik anwende und dann meine Kunst erstelle. Zurück zum leeren Raum. Ich bin abgeschweift. In der gegenständlichen Malerei gilt der leere Raum oft als Hintergrund. Und in der abstrakten Kunst ist er eben ein gleichwertiger Teil des Werks. Leere ist nicht nichts, sie ist Potenzial und du wirst viele abstrakte Werke, auch von sehr bekannten abstrakten Künstlern sehen, die eben auch die Leinwand leerlassen. Ein unbemalter Bereich kann eben genauso aussagekräftig sein wie ein leuchtendes Farbfeld.
Der unbemalte Bereich zieht den Blick an, er schafft Pausen für das Auge. Er lässt uns innehalten und in einer Welt voller Reize, wo wir immer mehr wollen und immer die Steigerung von etwas wollen, wo Dopamin unser Gehirn täglich flutet, finde ich, dass das sehr revolutionär ist, wenn man eben sich traut, den Raum leer zu lassen auf einer Leinwand, auf einem Papier. Ich liebe diese Zwischenräume. Sie sind für mich kein Verzicht, sondern eben, so wie ich male, ist es eben eine bewusste Entscheidung, sie leer zu lassen. Und sie sind auch eine Einladung zum Innehalten, zum Nachspüren, zur Projektion, denn ich finde, in der Leere und wenn Du willst auch in der Stille. Passiert viel, nur eben nicht laut. Und das ist eben genau das oder ein Teil davon, was ich zum Beispiel mit meiner Kunst transportieren möchte. Und wie du nun den Zugang zur abstrakten Kunst findest, ich denke, es gibt keinen richtigen oder falschen Weg, wenn du dich der abstrakten Kunst nähern willst. Ich teile mit dir mal ein paar Impulse, die bei mir funktionieren. Der Erste wäre natürlich, dass Langsamkeit hilft. Also wenn du dir für deinen Besuch bei einer Ausstellung oder in einem Museum eben viel Zeit nimmst und dich auch extra langsam durch die Räume bewegst, kann das wirklich viel ausmachen.
Also nimm dir mehr Zeit, als du denkst. Gib deinem Körper und dir selbst einfach Zeit, das alles auf dich wirkt zu lassen. Ohne Druck, geh auch alleine hin, dass du mit niemandem reden musst. Einfach, gib dir Zeit und verlangsame deinen Besuch. Mach ihn langsamer, als du ihn vorhattest. Ein zweiter Impuls ist, Wenn du vor einem abstrakten Kunstwerk stehst und es anschaust, dann lade ich dich ein der Frage: Was ist das? Oder was will die Künstlerin mir jetzt damit sagen, zu widerstehen? Das kommt wahrscheinlich als erstes in den Sinn, weil wie schon erwähnt, unser Gehirn fragt ganz von allein: Was ist das jetzt? Wie soll ich mich jetzt darauf einstellen? Versuche dir stattdessen, Fragen zu stellen, wie fühlt sich das an? Oder was spüre ich gerade? Oder an was erinnert es mich? Ein dritter Impuls wäre, dass du vielleicht verschiedene Blickwinkel einnimmst und auch unterschiedliche Distanzen können auch sehr aufschlussreich sein. Also betrachte das Kunstwerk aus der unmittelbaren Nähe, sodass du die Strukturen siehst, vielleicht auch die Pinselstriche oder die Kohle, die über die Leinwand gezogen wurde. Ich finde das immer sehr, sehr spannend. Aber dann auch aus der Distanz, also zwei Meter, geht zwei Meter nach hinten oder auch drei Meter oder auch aus der anderen Ecke des Ausstellungsraums.
Ich mache das sehr, sehr gerne. Deswegen brauche ich immer stundenlang, wenn ich mir eine Ausstellung ausschaue, weil ich immer ganz nah hingehe, dann gehe ich zwei, drei Meter nach hinten, dann gehe ich auf die andere Seite und dann drehe ich mich noch mal und höre das Kunstwerk an, zu sehen, was es in mir macht. Es ist wirklich ein Erleben im Raum, was beim Zugang zur abstrakten Kunst helfen kann. Ein vierter Impuls ist das Ding mit dem Körper. Unser Körper spricht ja immer mit uns, er hört ja nie auf. Und wenn du in einen Raum gehst, wo abstrakte Kunst hängt und du erst mal einen Überblick dir verschaffst, versuchst du zu bemerken, welches der Kunstwerke zieht dich automatisch an. Also wo bleibst du stehen oder wo reagiert dein Körper vielleicht auch mit irgendetwas, wo du sagst: „Da will ich jetzt hin? Also welches Kunstwerk zieht dich an, welches lässt dich kalt? Und dann befasse dich damit. Ein letzter Tipp oder eben letzter Impuls, was ich auch gerne mache, besonders wenn ich so Ausstellungen sehe im Ausland, wenn ich unterwegs bin und einen Künstler oder Künstlerin dort eine Ausstellung besuche, den oder die, die ich nicht kenne.
Um eben die Wahrnehmung zu schärfen, empfehle ich diese erklärenden Beschriftungen, also diese ganzen Tafeln, die es neben den Kunstwerken gibt oder auch die Einführungstexte des Kurators der Ausstellung eben, nicht am Anfang deines Besuches, sondern am Ende deines Besuchs zu lesen und betrachte die Werke vorangenommen, ohne zu wissen, was hat sich der Künstler dabei gedacht? Woher kommt der Künstler? Wohin geht er? Was will er? Und genauso kannst du es mit den Titeln machen. Also schau dir zuerst das Werk an und dann den Titel, weil oft … Also manchmal ist es auch so, dass abstrakte Kunst nicht betitelt ist. Und dann steht ohne Titel da. Und manchmal ist es so, dass ein ganz konkreter Titel steht. Bei mir sind es immer ganz konkrete Titel, die kommen auch schon allein. Also ich denke mir das nicht stundenlang aus, die kommen dann ganz einfach. Irgendwann habe ich eine Zeile in meinem Kopf oder ein Wort oder was auch immer, während ich das Werk male und dann weiß ich, das ist der Titel vom Werk. Aber versuche zuerst dir das Werk anzuschauen und dann zu schauen, wie es betitelt ist. Und manchmal gibt es Überraschungen oder manchmal denkt man sich, okay, darauf wäre ich jetzt nie gekommen und das ist dann immer spannend zu sehen, wie wir Sachen sehen und annehmen und fühlen und wahrnehmen.
Das wollte ich sagen, wahrnehmen, nicht annehmen. Schau dir die Werke zuerst an und lies den Titel danach, damit du dich nicht beeinflussen lässt, was du sehen solltest. Und genau deswegen solltest du auch die Einführungstexte am Ende lesen und schauen, wie nah du vielleicht warst am Konzept oder was du da rein interpretiert hast. Für mich ist abstrakte Kunst eine Form der inneren Landschaftsmalerei. Sie zeigt aber keine Orte, sondern Zustände. Nicht „So ist das, sondern so kann es sich anfühlen oder so fühlt es sich für mich an. Und dann stellt sie die Frage: „Fühlt es sich? Wie fühlt es sich für dich an? Abstrakte Kunst kann uns herausfordern und berühren. Sie kann auch manchmal verstören. Sie kann aber auch trösten oder auch einfach neugierig machen, uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Und wenn du eins mitnimmst, dann, dass du abstrakte Kunst wirklich nicht verstehen musst, du darfst sie erleben, du darfst sie fühlen und manchmal verstehst du dabei ganz nebenbei auch dich selbst ein bisschen besser. Ja, das waren meine Gedanken zum Thema „abstrakte Kunst verstehen. Diesen Podcast, diese Folge gibt es auch in Textform als Artikel auf meinem Blog, aber im Podcast spreche ich natürlich immer ein bisschen mehr, wenn ich Texte als Vorlage habe.
Ich würde mich freuen, von dir zu hören, wie du abstrakte Kunst wahrnimmst, wie du sie verstehst oder auch nicht, wie du dazu stehst. Du hast alle Möglichkeiten, mit mir in Kontakt zu kommen, neuerdings auch wieder über Instagram, aber gerne auch über E-Mail oder direkt. Bei Spotify gibt es, glaube ich, die Möglichkeit, mir Fragen oder Antworten zu schicken, obwohl ich Spotify nicht mehr habe auf meinem Smartphone. Aber ich weiß auch gar nicht, ob ich mich da einloggen kann als Podcaster. Früher konnte ich das. Ich muss mal schauen. Aber aus dem Grund eben besser E-Mail oder Instagram. Ich danke dir für deine Aufmerksamkeit. Bis ganz bald und falls dich abstrakte Kunst interessiert, schau bei mir auf der Website rein. Da kannst du vielleicht noch ein Werk vom Winterprojekt ergattern. Es sind nur noch sechs übrig zu diesem Zeitpunkt. Vielleicht, wenn du dann den Podcast hörst, ein paar weniger. Ja, ein bisschen all over the place, aber danke für die Aufmerksamkeit. Bis ganz bald. Bye, bye und Servus.